Quo vadis, Schachzeitschriften?

Heute habe ich mein langjähriges Abonnement der Zeitschrift Schach gekündigt und außerdem beschlossen, das Abo für das New in Chess Magazine nicht mehr zu verlängern. Warum? Der Umzug auf die Plattform Forward Chess ist eine grausame Zumutung für alle, die ein klassisches Layout von Zeitschriften gewohnt sind und lieben.

Wo ist meine geliebte „Schach“ geblieben? Stattdessen Endlos-Scrolling, Riesenfotos und Minidiagramme!

Vor Jahren/Jahrzehnten habe ich beide Magazine per Post als Druckversion erhalten. Nachdem diese Zeitschriften auch digital angeboten wurden, habe ich irgendwann umgestellt. Aus Platz- und Umweltschutzgründen. Und weil es einfach bequemer war, ganze Jahrgänge auf einem Ebook-Reader oder Tablet zu lesen. New in Chess hatte neben einer webbasierten Version, in der man auch interagieren konnte, ein PDF zur Verfügung gestellt. Außerdem konnte man einzelne Ausgaben herunterladen und auf seinem Device speichern.

Die deutsche Traditionszeitschrift Schach hat Abonnenten, die nur mit Apples iOS oder MacOS gearbeitet haben, dankenswerterweise ein PDF per E-Mail zugesandt. Weil die iOS-Version der eigenen App so grottenschlecht programmiert und fehlerhaft war, dass ich schon damals fast gekündigt hätte.

Beides ist History. Stattdessen darf man nun Diagramme mit der Lupe betrachten und für einen Artikel endlos scrollen. Ich verstehe, dass Verlage ihre zahlenden Kunden bezüglich möglicher illegaler Kopien unter Generalverdacht stellen. Die Verlage verstehen jetzt hoffentlich auch, dass ihre sowieso schon geringer werdende Kundschaft trotz inhaltlich meist guter Angebote wahrscheinlich in Scharen davonläuft.

Nicht nur das jetzt über Forward Chess angebotene Layout ist ein „Pain in the Ass.“ Hinzu kommt, dass Abonnenten mit dem aktuellen Modell nur das Recht erwerben, eine Zeitschrift online zu lesen, diese aber nicht mehr besitzen. Wenn die Plattform mal verschwindet, who cares…

Und, nein, ich werde nicht mehr zur Printversion zurückkehren. Höchstens ab und an mal aus Wehmut eine Ausgabe in einer gutsortierten Bahnhofsbuchhandlung erwerben.

[Update 8.7.26]: New in Chess zieht seine Apps zurück und verweist die Leser darauf, dass man die alten Ausgaben jetzt über https://newinchess.nl/magazinedigital/index.html lesen kann. Dort ist das PDF verschwunden. Als „Ausgleich“ kann man noch nicht einmal mehr bis zum Ende der Artikel blättern. Das Scrolling stoppt bei 59-81%. 16 5 Jahrgänge NiC digital  – ab der Umstellung des Frameworks – für die Tonne!

[Update 10.07.26]: Ich muss auch mal loben. Mit der deutschen Schach habe ich jetzt eine befriedigende Vereinbarung getroffen.